Malmö, die Hauptstadt Schonens und mit ca. 250 Tausend Einwohnern auch die mit Abstand größte Stadt in der südlichsten schwedischen Provinz, lädt sowohl zum Flanieren als auch zu großen Stadtrundfahrten ein.

Ein Stadtrundgang im historischen Zentrum der Stadt beginnt natürlich immer auf dem Grossen Markt, dem Stortorget, auf dem ein grosses Reiterstandbild seit mehr als Hundert Jahren anzeigt, zu welchem Land die Stadt gehört – und das seit 1658. Damals nämlich hat der schwedische König Karl X. mit einer Kriegslist den dänischen König Christian IV. bezwungen und ihn im Frieden von Roskilde dazu gebracht, diejenigen Teile des dänischen Reiches an Schweden abzutreten, die östlich des Öresund lagen, Schonen, Halland, Blekinge und sogar die Insel Bornholm, die aber – wohl wegen ihrer aufmüpfigen Bevölkerung wenige Jahre später wieder an Dänemark zurück kam und heute wie ein dänischer Juwel inmitten der Ostsee liegt.

Aber der Grosse Markt ist nicht nur wegen des Reiterstandbildes ein interessanter Platz. Der im 16. Jahrhundert von Malmös deutschem Bürgermeister und königlichem dänischem Münzmeister Jörgen Kock angelegte Marktplatz beherbergt auch eine Reihe interessanter und sehenswerter Gebäude, allen voran natürlich das alte Rathaus von 1546 und die daneben befindliche Residenz des Landeshauptmannes der Provinz Schonen von 1729. Mitten auf dem Platz befinden sich die Wasserspiele am alten Stadtbrunnen, und um den Platz herum stehen Malmös bedeutendsten Bauwerke des Jugendstils, unter anderem die Löwenapotheke mit der Löwenpassage, die auch nach dem Architekten des Hauses als Teschsche Passage bezeichnet wird. Eines der ältesten Hotels der Stadt, das ehrwürdige Hotel Kramer, hat ebenso seinen Platz am Grossen Markt wie das Wohnhaus des Bürgermeisters Jörgen Kock, das Kocksche Haus. Gleich um die Ecke des Kockschen Hauses liegt auf der Weststrasse, Västergatan, ein weiteres Kleinod spätmittelalterlicher Baukunst in Malmö, der Rosenvingesche Hof, der 1534 erbaut wurde und der Witwe des Hofschreibers des legendären dänischen Königs Christians II., Anne Pedersdatter Rosenvinge, gehörte.

Von dort aus führt der Rundgang durch die Meister-Johan-Strasse auf den Kleinen Markt, Lilla torg, von dem man sagt, dass hier Europa beginnt. Und tatsächlich ist es so, dass sich an diesem Platz, besonders an warmen Sommerabenden, Hunderte Menschen ein Stelldichein geben und in den vielen Restaurants und Kneipen am Platz den lieben Gott ‘nen guten Mann sein lassen. Auch dieser Platz ist von Jörgen Kock angelegt worden, nachdem der Grosse Markt für den schnell wachsenden Handelsplatz Malmö nicht mehr ausreichte. Auf diesem Platz befand sich später eine Markthalle, die aber zugunsten der heutigen offenen Lösung wieder abgerissen wurde.

Quer über den Platz führt der Rundgang in die Schuhmachergasse, Skomakargatan. Und am Eingang zu dieser Einkaufsstrasse, die heute Teil der Fussgängerzone der Stadt ist, befinden sich historische Höfe, die heute ein beliebtes Kunstlerquartier sind: Etliche, teils namhafte schwedische und ausländische Künstler haben hier ihre Ateliers oder Ausstellungsräume, unter ihnen der deutsche Emailleur Peter Kleist und die schwedische Modedesignerin Gudrun Sjödén, die hier eine ihrer Boutiquen betreibt.

Über die Schuhmachergasse kommen wir zur Südstrasse, Södergatan, der Haupteinkaufsmeile der Stadt Malmö. Diese Strasse war bereits im Mittelalter die Hauptstrasse der Stadt und als am Ende des 18. Jahrhunderts am südlichen Stadttor eine neue Stadteinfahrt errichtet werden sollte, entbrannte ein Streit zwischen den Einwohnern der Südstrasse und der etwas weiter westlich liegenden Engelbrechtsstrasse, die ihrerseits den Anspruch hegten, an der Hauptsstrasse der Stadt zu leben. Diesen Streit löste man damals, indem man einen grossen, rechtwinkligen Platz anlegte, an dessen südlichem Ende die neue Einfahrt so plaziert wurde, dass sowohl die Sud- als auch die Engelbrechtsstrasse exakt den selben Abstand zu dieser Einfahrt hatten. Der Platz, der dabei entstanden ist,ist der Gustav-Adolf-Platz, Gustav Adolfs torg, benannt nach dem schwedischen König Gustav IV. Adolf, der Malmö am Beginn des 19. Jahrhunderts zur schwedischen Hauptstadt machen wollte, was dem Reichstag in Stockholm nicht sonderlich zusagte, und man entledigte sich des Königs und schickte ihn ins Schweizer Exil, wo er 1837 in St. Gallen starb.

Auf der Südstarsse allerdings wenden wir uns nicht nach Süden, sondern zurück in Richtung Norden, in Richtung des Grossen Marktes. Vorbei führt uns der Weg an einer Reihe historischer Gebäude, unter anderem des Flensburgschen Hofes, sowie postmodernen Neubauten wie der Butterixecke, einem gläsernen Neubau aus den 90er Jahren, in dem die wichtigsten Tageszeitungen ihre Malmöer Redaktionen haben sowie das Nachrichtenstudio des lokalen schonischen Fernsehkanals die Fussgängerzone als Hintergrund benutzt – eine einmalige Gelegenheit, ohne viel Zutun ins Fernsehen zu kommen!

Durch die bereits erwähnte Löwenpassage, wo sich seit 1897 die Löwenapotheke befindet und die erste Selterwasserproduktion in Malmö 1898 in Betrieb nahm, kommen wir zur alt erwürdigen Kalendegatan, einer Strasse, die noch bis in die 60er Jahre hinein mit einer Vielzahl historischer Gebäude gespickt war. Leider wurde der östliche Teil der Altstadt damals gnadenlos abgerissen und durch eine moderne City ersetzt. Übrig geblieben sind nur einige wenige Häuser wie das Hippodrom, ein altes Zirklusgebäude, das heute das Dramtaische Theater der Stadt beherbergt und das im 15. Jahrhundert errichtete Stadthaus des Erzbischofs Birger Gunnersen, des Armeleutebischofs von Lund.

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